Songs of Gastarbeiter

Songs of Gastarbeiter

30. März 2019 um 20 Uhr Konzert im Cafe KUBUS des Kulturbunker Köln-Mülheim

Der Berliner Autor Imran Ayata und der Münchner Künstler Bülent Kullukcu wühlten in Archiven, durchforsteten die Musiksammlungen ihrer Eltern und Bekannten, nervten Freund*innen und Fremde, um Songs der ersten Einwanderergeneration zu finden. Erstes Zwischenergebnis: Über hundert Lieder Made in Almanya, die von den ersten Jahrzehnten der Einwanderung in Deutschland handeln.

 

Eine Auswahl dieser Songs findet sich auf „Songs of Gastarbeiter Vol. 1.“ Auf diesem Album sind Musiker*innen aus der Türkei vertreten. Zudem beschränkt sich die Musikauswahl auf Songs bis Anfang der 1990er Jahre. Erinnert man sich in Deutschland an diese Einwanderergeneration, dann ist der Blick durch Klischees und rassistische Zuschreibungen getrübt: Assoziationen von Männern mit traurig-melancholischen Blicken, die Zigarette rauchend Bahnhofshallen belagern, oder Familien, die für aufsteigenden Grillrauch in Stadtparks sorgen, sind noch immer gängig. 

 

Die Biografien der Musiker*innen auf Songs of Gastarbeiter Vol. 1 , ihre musikalischen Stile, die Inhalte ihrer Songs sind unterschiedlicher als man vermuten mag. Wenn man sich die damaligen gesellschaftlichen Realitäten vor Augen führt und sich in die Lage dieser Generation versetzt, dann ist es nicht weiter überraschend, dass viele Musiker*innen Themen wie Sehnsucht und Trennungsschmerz behandeln (z. B. Mahmut Erdal, Gülcan Opel, Zehra Sabah) oder Almanya zur „bitteren Heimat“ deklarieren, wie Selda es in ihrem Cover des Ruhi Su Klassikers „Almanya Acı Vatan“ tut. Auch nicht weiter verwunderlich ist, dass die Arbeitsbedingungen im Betrieb und in der Fabrik eine herausgehobene Rolle spielen (u. a. Aşık Metin Türköz, Gurbetçi Rıza). 

 

Die eigentliche Gemeinsamkeit dieser Künstler*innen besteht für AYKU darin, dass sie Pioniere waren. Pioniere, weil sie sich und ihren Alltag zum Thema machten, sich nicht nur leidend, sondern auch kämpferisch und ironisch gaben und scharfsinnige Beobachter*innen der deutschen Gesellschaft waren. Pioniere, weil sie neue Musikstile wie anatolischen Disko-Folk kreierten (Derdiyoklar) und sich im Crossover versuchten (z. B. Ali Avaz) oder mit Sprechgesang experimentierten, lange bevor es deutsch-türkische Rapper gab. Pioniere, weil sie den Sound des Arabesk in Deutschland einführten (Yüksel Erkasap) und elegant wie virtuos mit dem Mix der Sprachen jonglierten (z. B. Aşık Metin Türköz, Aşık Divane, Cem Karaca) und der deutschen Sprache einen eigenen Ton verliehen (z. B. Ozan Ata Canani).

 

„Es ist ein Schatz, vielleicht der größte, der seit langem in Deutschland gehoben wurde.“ ( FAZ-Sonntagszeitung )

 

Abendkasse: 8,00  €

Songs of Gastarbeiter. Flyer: ©Archiv Trikont
Songs of Gastarbeiter. Flyer: ©Archiv Trikont


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